Albanien – Tirana

 

Die erste Frage des Grenzbeamten in seinem Häuschen war nicht etwa nach unseren Pässen, sondern nach Feuer für seine Zigarette 😀 Und ja es stimmt, nach der Grenze sehen wir fast ausschließlich Mercedes auf der Straße. Vom Oldtimer 190er bis zum nagelneuen 63er AMG ist alles vertreten. Angeblich gelten diese als besonders robust und gut geeignet für die albanischen Straßen. Naja. Wir hätten angesichts der schlechten, oft nur geschotterten Straßen mit unzähligen Schlaglöchern vielleicht lieber einen Jeep gewählt… 😉

Albanien. Was für ein tolles Land! Das erste Mal auf unserer Reise haben wir das Gefühl „fremd“ zu sein. In einem Sprach- und Kulturkreis, den wir bisher überhaupt nicht kennen. Doch die Albaner durchbrechen mit ihrer Art diese Hürde sofort. Sie kommen uns mit solch einer geballten Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit entgegen, wir sind wirklich beeindruckt.

Wir möchten als Erstes die Hauptstadt Tirana besichtigen. Unser Auto bringen wir dafür auf einem „Campingplatz“ am Stadtrand unter. Eigentlich stehen wir im Garten einer Familie, die ihr Geld mit etwas Landwirtschaft und ein paar Stellplätzen und einfachen Sanitäranlagen verdient. Wir sind umgeben von Hühnern, Katzen und Kühen und genießen einen wunderschönen Ausblick in die Berge. Um uns herum ist absolute Stille. Einzig durchbrochen durch die Rufe des Muezzin. Die Einfachheit des Lebens hier begeistert uns sehr. Der Camp Vater führt dreimal am Tag seine Kuh spazieren, schaut ihr beim Grasen zu und bringt sie in den kleinen Stall zum Füttern und Melken. Absolute Entschleunigung. Die Mutti versorgt uns mit allerlei Gemüse, Eiern, Feigen und Trauben und wäscht dann auch noch unsere Bettwäsche ohne Geld dafür zu wollen. Die Söhne der Familie – wie auch viele der jüngeren Albaner allgemein – sprechen gutes Englisch. Die Mutter spricht Schlagwörter und sonst mit Händen und Füßen, was uns herrliche Unterhaltungen und viel gemeinsames Lachen beschert. 

Als Fortbewegungsmittel in Tirana wählen wir den Bus. Wann und wo die Busse jedoch anhalten bleibt uns ein großes Rätsel. Doch auch hier finden sich sofort Menschen, die uns mit Englisch oder oftmals auch eher Händen und Zeichen an der richtigen Haltestelle Bescheid geben und uns den Weg erklären. Je mehr wir uns dem Stadtzentrum nähern, desto bizarrer erscheint uns der Kontrast zwischen Arm und Reich. Gerade noch neben dem einfachen Ziegenhirten und Menschen, die teilweise in Baracken hausen, stehen wir auf einmal in modernen Shoppingcentern mit horrenden Preisen. 200 € Monatsverdienst vs. 200 € für ein Paar Markenschuhe.

Wir besuchen das Museum Bunk’Art 2, einem erhaltenen unterirdischen Bunker in dem die Geschichte Albaniens im Kommunismus aufgearbeitet wird. Mit der Seilbahn „Dajti Ekspres“ fahren wir auf den – wer hätte es gedacht – Dajti, von dem sich ein toller Ausblick auf Tirana bietet. Ein Minibus bringt uns zur Talstation. Wir sind die einzigen Mitfahrer. Wie so oft finden sich in dem Bus aus den 60er Jahren noch die ursprünglichen deutschen Aufschriften wie „Notausstieg“. Am Gipfel des Dajti befindet sich neben einem Restaurant und Hotel auch eine Art Freizeitpark mit Minigolf, Hochseilgarten, Pony reiten und auch einem Outdoor Schießplatz für Paintball und Luftgewehr. 

 

Auch Einkaufen ist immer wieder ein Erlebnis in Albanien. Es gibt keine Supermärkte oder große Geschäfte, sonder Stände und kleine Läden im Erdgeschoss der Häuser. Als wir in einem Market unsere Lebensmittelvorräte auffüllen, überlegen wir kurz vor dem Schnapsregal und beschließen eine Flasche Raki, dem Nationalschnaps der Albaner, zu kaufen – schon am Campingplatz hat uns die Mutti erzählt, dass sie selbst Raki aus ihren Trauben brennt. Von der Kasse hören wir leises Getuschel und Gelächter der Inhaberfamilie. Kurz darauf beim Bezahlen verstehen wir auch warum. Der Sohn des Chefs wird weggeschickt und kommt mit einer 0,5 Liter Plastikflasche mit einer durchsichtigen Flüssigkeit zurück. Sie reichen sie Michi und fordern ihn zum Trinken auf. Und tatsächlich handelt es sich um selbstgebrannten Raki, wie der Chef stolz zu verstehen gibt 😀 Er schenkt uns die ganze Flasche und die Familie verabschiedet uns winkend vor ihrem Laden. Wieder einmal sind wir begeistert von der Art, mit der uns die albanische Bevölkerung begegnet!

Kleiner Einschub am Rande: Michi hat sich noch ein Souvenir aus Montenegro mitgenommen.

Vielleicht von einem Petermännchen, wir wissen es nicht genau. Zum Glück ging die Schwellung aber nach drei Tagen genauso schnell wie sie gekommen ist auch wieder weg 😉

2 Kommentare zu „Albanien – Tirana

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