Bovilla Lake & Albanische Riviera

 

Albanische Straßen – ein Kapitel für sich! Unser Verständnis für Entfernungen und die dafür benötigte Zeit hat sich mittlerweile komplett verschoben. Die geteerten Straßen sind eher Flickenteppiche mit Schlaglöchern, bei den meisten Straßen handelt es sich jedoch eher um Schotterpisten. Gerne mit Serpentinen und direkt am Abgrund – natürlich ohne Leitplanke – immer jedoch so schmal, dass bei Gegenverkehr eines der Fahrzeuge anhalten muss. Dazu kommt noch, dass Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen sehr liberal ausgelegt werden. Wer zuerst fährt gewinnt. Für 20 Kilometer planen wir ca. 1 Stunde, für 100 schon einen halben Tag 😀

Und auch das sind leider Albaniens Straßen: gesäumt von Tonnen von leeren Plastikflaschen und Müll. 

Wir verlassen Tirana und fahren gut eine Stunde (15 km) in nordöstliche Richtung zum Bovilla-Reservoir. Es handelt sich dabei um einen 4,6 Quadratkilometer großen von Bergen umgebenen Stausee, der das meiste Wasser für die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt liefert.

Wir sind leicht irritiert, als uns bereits auf der Zufahrt etliche (meist ältere) Busse und LKWs (!) aus Deutschland, Frankreich und Spanien begegnen. Die Insassen würden wir als „alternativ“ beschreiben, die meisten von ihnen haben Dreadlocks und jeder mindestens einen Hund dabei. Wir malen uns schon die wildesten Sachen aus, was uns beim Stausee erwartet. Eine krasse Hippie Kommune? Ein (Straßenkünstler-) Festival? Oder eine Siedlung von Aussteigern? Als wir dort mit einem aus Forchheim ins Gespräch kommen stellt sich jedoch heraus, dass es sich dabei um „Überbleibsel“ eines inoffiziellen Techno Festivals handelt. 5.000 Mann aus allen möglichen Ländern hatten sich bei Durrës am Strand verabredet um 7 Tage durchgehend zu feiern. Sie nutzten nun die Idylle des Sees, um sich zu erholen und wieder runterzukommen 😀

Über Serpentinen gelangt man zu einem Ausflugslokal mit wunderschönem Blick über den See. Da es sich bei dem Weg um Privatgelände handelt fragen wir kurz nach, ob es ok ist, dass wir mit unserem Van über Nacht stehen bleiben. Die Antwort ist wie so oft in Albanien „No problem, no problem!“. Die Angestellten und wildfremde Menschen winken uns auf dem Weg nach oben sogar freudig zu und fragen, ob wir die Aussicht genießen. Wir bleiben zwei Nächte und besuchen das dortige Klettergebiet: kräftige Sinter-Routen in tollem Fels.

Der Weg zu einer Dusche führt uns weiter an der Küste entlang Richtung Süden. Wir machen Halt an der albanischen Riviera und sind plötzlich gefühlt schon fast in Griechenland! Im Restaurant, das wie alle dort ein griechisches Restaurant ist, wollen wir die Bedienung per Google Übersetzer auf Albanisch fragen ob ein Gericht vegetarisch ist. Tatsächlich gibt sie aber zu verstehen, dass sie nur griechisch versteht 😀

Und dann treffen wir auf einem abgelegenen kleinen Wanderweg, der unseren Strand mit dem Nachbarort Himarë verbindet, tatsächlich noch einen alten Bekannten: ein etwa 70 Jahre alter Serbe, der mit Auto und Zelt unterwegs ist und den wir bereits am Tropicana Beach in Montenegro kennengelernt hatten. Er hatte dort seine ersten Gehversuche auf unserer Slackline gewagt. Was für ein Zufall! 🙂

5 Kommentare zu „Bovilla Lake & Albanische Riviera

  1. Schöne Bilder, super Text, man glaubt, dabei zu sein. Wir grüßen euch von unserer Reise durch Sachsen un S Anhalt. Willi und Roswitha

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