Abschied aus Südafrika

Wir können es selbst noch nicht ganz glauben, aber wir haben es mittlerweile tatsächlich geschafft, Südafrika zu verlassen und ohne Quarantäne in ein anderes Land einzureisen. Und das nicht einen Tag zu bald, denn unser Visum für Südafrika wäre am 1. Januar 2022 abgelaufen 😀

Nachdem ein Ende für die Zeit des Wartens und der Ungewissheit, wie es weiter geht, in Aussicht war, konnten wir unsere letzte Woche in Südafrika wieder so richtig genießen. Und auch all die Touri Attraktionen abhaken, die auf einer Reise nach Südafrika nicht fehlen dürfen 😉 Über Weihnachten mieteten wir uns eine Ferienwohnung über den Dächern von Simon’s Town mit atemberaubendem Rundum-Blick aufs Meer. Wir fuhren (endlich) zum Kap der Guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt Afrikas, und zum benachbarten Cape Point. Und natürlich durfte auch die Fahrt mit der Seilbahn auf den Tafelberg nicht fehlen. Ein durchaus spektakuläres Erlebnis, denn bei der Fahrt in der Großraumgondel gab es die explizite Anweisung, sich NICHT festzuhalten. Grund dafür ist, dass der Boden rotiert und sich die Gondeln während der 5-minütigen Auffahrt um ihre eigene Achse drehen. Im Stehen eine durchaus wackelige Angelegenheit aber es bietet sich so eine herrliche Rundsicht auf die Umgebung von Kapstadt!

Auch eine Tour durch die Weingebiete steht wahrscheinlich bei so gut wie jeder Südafrika Reise auf der ToDo Liste. Wir zogen dafür um nach Stellenbosch, einer wirklich netten Kleinstadt im Kolonialstil, und besichtigten eines der unzähligen Weingüter in der Umgebung. Die Dimensionen des riesigen Areals mit etlichen Hektar Park, Wine Tasting, Restaurant, Café, Bäckerei, Shops, Ausstellungen etc. brachten uns ganz schön zum Staunen.

An unserem letzten Tag in Südafrika war uns nochmal nach etwas Aktiverem und wir machten eine Wanderung auf den Lion’s Head, den Nachbarberg des Tafelbergs, der auf Grund seiner Kegelform und exponierten Lage als einer der schönsten Aussichtsberge in der Tafelbucht gilt. Und der Aufstieg hat sich sowas von gelohnt! Bei einem Picknick am Gipfel genossen wir noch einmal den Ausblick und ließen unsere Zeit in Südafrika Revue passieren. Ein mehr als würdiger Abschluss für 2 tolle und ereignisreiche Monate!

Und auf einmal sitzen wir hier im Tuk Tuk in Colombo, Sri Lanka, auf dem Weg zu unserem ersten Sundowner in einer der Rooftop Bars. Ok, „auf einmal“ trifft es nicht ganz. Die Anreise über Zürich war mit 30 Stunden Dauer nicht ganz auf direktem Weg 😉 Wir sind überglücklich, jetzt hier zu sein und freuen uns auf viele neue Eindrücke und Abenteuer!

So viel zum Reise-Update. Jetzt folgt ein längerer Text 😉 Die Zeit in Südafrika war für uns nicht nur voller Sonnenstunden, sondern auch geprägt von einem beklemmenden Gefühl und vielen Gedanken, die wir uns über das Leben hier gemacht haben. Wir sind keinem böse, wenn er an der Stelle aufhört zu lesen, es war uns aber wichtig, auch diese Aspekte unserer Reise festzuhalten.

Arm und reich. Schwarz und weiß. Dinge, über die wir uns Dank unserer geografischen und sozialen Herkunft noch nie wirklich Gedanken machen mussten. Auch nach knapp zwei Monaten in Südafrika war es für uns nach wie vor schwer, mit der sozialen Ungleichheit zwischen Hautfarben und gesellschaftlichen Klassen umzugehen. In den Städten herrscht eine klare Trennung: auf der einen Seite die noblen Stadtviertel der Weißen und auf der anderen die Townships der Schwarzen mit teils erschreckender Armut. Das Erbe der Apartheid zeigt sich in vielen Bereichen. Es gibt die Supermärkte der Weißen und solche, in denen (außer uns) fast ausnahmslos Schwarze einkaufen. Sämtliche Dienstleistungen werden von Schwarzen übernommen: sei es das Tanken und Scheiben putzen an der Tankstelle, das Kassieren und in Tüten packen im Supermarkt, das „Bewachen“ des Autos auf öffentlichen Parkplätzen oder auch die Arbeiten im Haushalt oder Garten, für die die Weißen obligatorisch Angestellte beschäftigen. Vielleicht auch deshalb für uns befremdlich, weil es uns schon fast überheblich vorkommt, diese Dinge nicht einfach selbst zu erledigen. Wir merken, dass die Art und Weise, wie man uns begegnet, durch unsere Hautfarbe bestimmt ist und schämen uns schon fast, alleine durch diese auch Teil des Systems zu sein.

Und noch etwas beschäftigt uns sehr: Wie können die Menschen damit umgehen, in einem Land zu leben, in dem man eigentlich alle Freiheit der Welt hat, gleichzeitig aber doch gefangen in einem Käfig ist? So haben wir das Gefühl, dass z.B. die Verkehrsregeln hier recht frei ausgelegt werden. Wie schnell man fährt oder wie viele Personen auf einen Pickup geladen werden, scheint niemanden groß zu interessieren. Gleichzeitig ist es in den weißen Siedlungen aber normal, dass alle Fenster und Türen vergittert und die Häuser mit Alarmanlagen und Stacheldraht gesichert sind. Auch private und bewaffnete Sicherheitsfirmen, die die Nachbarschaft überwachen, sind ein gewöhnliches Bild. Wie kann ich mich frei und wohl fühlen, wenn mir überall gesagt wird „Lauf bei Dunkelheit nicht durch die Gegend“, „Tu dies nicht“, „Pass da und dort auf“?

Südafrika ist ein Land mit unendlichen Weiten, Tieren und Natur. Doch will man in der Natur einer Aktivität nachgehen, dann kostet das. Und zwar so einiges. Wir zahlten z.B. fürs Klettern, fürs Wandern, in den Nationalparks oder auch am Strand um Pinguine zu sehen. Hier ein paar Beispiele: Tageseintritt im Kruger Nationalpark (ohne Übernachtung): 45€ pro Person, einen Tag Klettern: 4€, Eintritt Nationalpark beim Kap der Guten Hoffnung: 20€, einmal kurz zu den Pinguinen: 8€ pro Person, unsere Wanderung in den Drakensbergen: mit Eintritt und Shuttle 25€ pro Person. Dienstleistungen hingegen werden nur minimal entlohnt. Ein Friseurbesuch ist bereits für 3 € zu haben, die Parkwächter und Tankwarte erhalten im Schnitt gerade mal 15 Cent. Der Kontrast zwischen dem Besitz der Bewohner der Townships und solch horrender Summen erscheint uns bizarr.

Am Ende zeigt uns diese Reise immer wieder, wie dankbar und glücklich wir uns schätzen sollten, in einem Land wie Deutschland leben zu dürfen!

2 Kommentare zu „Abschied aus Südafrika

  1. Dann seid ihr gut im neuen Jahr in Colombo angekommen, nach einer laaangen Reise. Wir sind noch begeistert von den schönen Fotos aus South Africa, unsere Reise vor 4 Jahren ist auch npch präsent, nur im wineland waren wir nicht. Die sozialen Unterschiede habt ihr auch direkter erlebt, wir wurden ja von Reiseleitern, z. T. Weissen begleitet. Wir sind schon mal gespannt auf Sri Lanka. Gute Nacht. Schöne Grüße aus Hagenau von Willi und Roswitha

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    1. Ja, das denken wir auch, dass die Erinnerungen noch lange präsent bleiben werden. Die lange Anreise hat sich auf jeden Fall jetzt schon gelohnt! Genießen die Reise durch Sri Lanka sehr. Viele Grüße aus Ella von Chrimi 😉

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